Du stehst am Bahnhof, der Zug fährt erst in zwanzig Minuten, und in einer Ecke neben dem Ticketschalter entdeckst du ein kleines Pult mit einem Stempel und einem Kissen voller Tinte. Genau das ist ein Eki-Stempel, und kaum etwas sammelt sich auf einer Japanreise schöner und günstiger.
Diese Bahnhofsstempel gibt es an unzähligen Stationen im ganzen Land, jeder mit einem eigenen Motiv. Wer einmal damit anfängt, wird schnell süchtig nach dem nächsten Abdruck. Hier erfährst du, wo du sie findest, was du dafür brauchst und welche anderen Stempel in Japan noch auf dich warten.
Das Wichtigste in Kürze
- Eki-Stempel (駅スタンプ) sind kostenlose Stempel an japanischen Bahnhöfen, jeder mit einem eigenen Motiv aus der Region.
- Du findest sie meist in der Nähe der Ticketschalter, am Bahnhofsbüro oder an der Sperre, oft mit einem kleinen Hinweisschild.
- Das Einzige, was du brauchst, ist ein eigenes Stempelbuch oder Notizbuch. Tinte und Stempel stehen bereit.
- Neben den Eki-Stempeln gibt es Stempel an Sehenswürdigkeiten, Tempeln und sogar ganze Stamp Rallies mit Anime-Motiven.
- Eki-Stempel haben nichts mit Goshuin zu tun, den spirituellen Tempelsiegeln. Das sind zwei völlig verschiedene Welten.
Was Eki-Stempel eigentlich sind
Eki bedeutet auf Japanisch schlicht Bahnhof, den Stempel selbst nennt man auf Japanisch „Sutampu“, ein Lehnwort aus dem Englischen. Eki-Stempel sind also Bahnhofsstempel, und sie haben in Japan eine lange Tradition. Schon seit den 1930er Jahren stellen viele Stationen einen eigenen Stempel bereit, mit dem Reisende festhalten können, dass sie hier waren.
Das Schöne daran ist die Vielfalt. Jeder Stempel zeigt ein eigenes Motiv, meist eine lokale Sehenswürdigkeit, ein berühmtes Bauwerk, eine Spezialität oder ein Wahrzeichen der Region. Der Stempel am Bahnhof einer Burgstadt zeigt vielleicht die Burg, der an einem Küstenort ein Fischerboot. So wird dein Stempelbuch nach und nach zu einer ganz persönlichen Landkarte deiner Reise.
Und das Beste: Eki-Stempel sind kostenlos. Du zahlst keinen Yen dafür, sondern brauchst nur etwas Aufmerksamkeit, um sie zu entdecken.
Was du zum Sammeln brauchst
Viel ist es nicht. Im Grunde reicht ein eigenes Heft, in das du die Abdrücke setzt. Trotzdem lohnt es sich, ein bisschen vorzudenken, damit deine Sammlung am Ende auch schön aussieht.
- Ein eigenes Stempelbuch. Manche Reisende kaufen sich vor Ort ein hübsches japanisches Notizbuch, andere nehmen ein kleines Skizzenbuch von zu Hause mit. Wichtig ist festeres Papier, damit die Tinte nicht durchschlägt.
- Etwas Geduld mit der Tinte. Die Stempelkissen sind unterschiedlich gut gepflegt. Mal ist das Bild gestochen scharf, mal etwas blass. Drück gleichmäßig und heb den Stempel gerade an, dann klappt es meist gut.
- Eine Seite pro Bahnhof. Wer mag, schreibt Datum und Stationsnamen dazu. Später erinnerst du dich so genau, wann du wo warst.

Wo du die Eki-Stempel findest
Manche Stempel stehen offen sichtbar herum, andere muss man ein wenig suchen. Klassische Orte sind die Nähe der Ticketschalter, das Bahnhofsbüro, der Bereich an der Bahnsteigsperre oder eine kleine Ecke in der Eingangshalle. Häufig weist ein kleines Schild mit dem Wort スタンプ darauf hin.
So findest du die Stempel
- Nimm immer dein eigenes Stempelbuch oder Notizbuch mit festerem Papier mit.
- Frag im Zweifel das Bahnhofspersonal oder an der Sperre nach dem Stempel.
- Halte Ausschau nach dem kleinen Hinweisschild mit dem Wort スタンプ.
- Drück den Stempel gleichmäßig an und heb ihn gerade ab, dann wird der Abdruck sauber.
Wenn du nichts findest, frag einfach das Personal. Schon ein freundliches „eki stempel wa doko desu ka?“ (etwa: Wo ist der Bahnhofsstempel?) wirkt Wunder. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen ihren Stempel und zeigen dir gern den Weg. Nicht jeder Bahnhof hat einen, gerade größere Stationen und beliebte Touristenorte aber fast immer.
Ein Tipp aus der Praxis: Plan dir an Umsteigebahnhöfen ein paar Minuten extra ein. So musst du nicht hetzen und kannst in Ruhe nach dem Pult suchen, statt im letzten Moment zum Zug zu rennen.
Weitere Stempel-Arten in Japan
Eki-Stempel sind nur der Anfang. Japan ist ein echtes Stempelland, und sobald du die Augen offen hältst, entdeckst du sie überall.
- Stempel an Sehenswürdigkeiten. Burgen, Aussichtstürme, Museen und Parks haben oft ihren eigenen Stempel, manchmal direkt am Eingang oder am Ticketcounter.
- Tempel-Stempelrallyes. An manchen Tempeln und Schreinen gibt es einfache Stempel zum Selbstabdrucken. Mancherorts sind sie sogar zu kleinen Rundwegen verbunden, bei denen du an mehreren Stationen sammelst.
- Stamp Rallies mit Anime-Motiven. Bahngesellschaften und Tourismusverbände veranstalten regelmäßig Aktionen, bei denen du an verschiedenen Bahnhöfen Stempel mit Figuren beliebter Serien sammelst. Wer alle zusammenhat, bekommt manchmal eine kleine Belohnung.
Gerade die Stamp Rallies sind ein schöner Anlass, auch mal an einem Bahnhof auszusteigen, an dem du sonst nie gehalten hättest. So führt dich das Sammeln ganz nebenbei an Orte abseits der üblichen Pfade.
Goshuin: bitte nicht verwechseln
Ein wichtiger Hinweis, damit du keinen Fauxpas begehst. Goshuin sind keine Eki-Stempel. Sie sehen zwar auf den ersten Blick ähnlich aus, sind aber etwas völlig anderes.
Goshuin sind spirituelle Siegel, die du an Tempeln und Schreinen erhältst. Sie werden von Hand mit Pinsel und Kalligrafie ergänzt und gelten als Zeichen deines Besuchs und deiner Andacht. Dafür gibt es ein eigenes Buch, das Goshuincho, und in der Regel eine kleine Spende. Misch deine Eki-Stempel und deine Goshuin niemals im selben Buch. Das gilt als respektlos, weil das Goshuincho einen religiösen Charakter hat. Halte die beiden Sammlungen also sauber getrennt.
Tipps für eine schöne Sammlung
- Bleib entspannt. Du musst nicht jeden Stempel jagen. Such dir die Orte aus, die dir etwas bedeuten, dann bleibt das Sammeln ein Vergnügen.
- Schreib etwas dazu. Datum, Wetter, eine kleine Notiz. So wird dein Stempelbuch später zum lebendigen Reisetagebuch.
- Teste den Stempel kurz an. Drück ihn erst probehalber auf ein Schmierblatt, wenn das Kissen sehr nass aussieht. So vermeidest du verschmierte Abdrücke.
- Pack das Buch griffbereit. Im Rucksack, nicht ganz unten im Koffer. Die Gelegenheit kommt oft spontan, wenn du gerade umsteigst.
- Genieß das Suchen. Manchmal ist der Weg zum versteckten Stempel das eigentliche kleine Abenteuer.
Fazit
Eki-Stempel sind eines der schönsten und günstigsten Andenken, die du von einer Japanreise mitbringen kannst. Sie kosten nichts, erzählen aber eine ganz persönliche Geschichte deiner Route, Station für Station, Motiv für Motiv. Mit einem einfachen Stempelbuch in der Tasche und einem wachen Blick an jedem Bahnhof baust du dir nach und nach ein Erinnerungsstück auf, das kein Souvenirladen bieten kann.
Mein Rat: Fang gleich am ersten Bahnhof an, frag im Zweifel das Personal und halt deine Eki-Stempel sauber getrennt von eventuellen Goshuin. Dann wird das Sammeln zu einem roten Faden, der sich durch deine ganze Reise zieht.
Häufige Fragen zu Eki-Stempeln
Kosten Eki-Stempel etwas?
Nein, die Bahnhofsstempel sind kostenlos. Stempel und Tinte stehen bereit, du brauchst nur dein eigenes Heft. Das macht sie zu einem der günstigsten Reise-Andenken überhaupt.
Wo finde ich den Eki-Stempel am Bahnhof?
Meist in der Nähe der Ticketschalter, am Bahnhofsbüro oder an der Sperre, oft mit einem kleinen Schild gekennzeichnet. Wenn du nichts findest, frag einfach das Personal mit „eki stempel wa doko desu ka?“.
Hat jeder Bahnhof in Japan einen Stempel?
Nicht jeder, aber sehr viele. Größere Stationen und beliebte Touristenorte haben fast immer einen. An kleinen Vorortbahnhöfen kann er fehlen.
Was brauche ich zum Sammeln von Eki-Stempeln?
Im Grunde nur ein eigenes Stempelbuch oder Notizbuch mit festerem Papier. Manche Reisende kaufen sich vor Ort ein hübsches japanisches Heft eigens dafür.
Sind Eki-Stempel dasselbe wie Goshuin?
Nein. Goshuin sind spirituelle Tempel- und Schreinsiegel, die von Hand mit Kalligrafie ergänzt werden und in ein eigenes Buch gehören. Eki-Stempel sind weltliche Bahnhofsstempel. Misch die beiden niemals im selben Buch.
